Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Der Finanzplan der nachfolgenden fiktiven Muster-PVE-GmbH an einem Standort stellt eine wirtschaftliche Planung der zu gründenden GmbH (PVE-Zentrumslösung) dar und soll Ihre individuelle Kalkulation hinsichtlich Strukturierung und Positionen unterstützen. Die fiktive Modellberechnung basiert auf folgenden Strukturmerkmalen als Modellannahme: 

5 Ärztinnen/Ärzte als PVE-Gesellschafterinnen/-Gesellschafter:

  • Eine Ärztin A hat eine schon lange bestehende Ordination (kein Firmenwert mehr aktiviert, keine Schulden aus Ordinationsübernahme, eine Kassenplanstelle)
  • Ein Arzt B hat vor zwei Jahren eine Ordination gekauft, der aktivierte Firmenwert beträgt EUR 80.000, Verbindlichkeiten aus der Ordinationsübernahme bestehen mit EUR 80.000, eine Kassenplanstelle
  • 3 Ärztinnen/Ärzte kommen neu hinzu (VZÄ).

Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter:

  • 4 Vollzeit-Ordinationsassistenzen  
  • 3 Vollzeit-Gesundheitsberufe
  • 3 Vollzeit-Diplomiertes Pflegepersonal
  • 1 PVE-Manager
  • 1 Reinigungskraft

Die PVE wird ihren Betrieb in gemieteten Räumlichkeiten im Ausmaß von 685 m² an einem Standort (Zentrum) betrieben. Das hier gewählte Honorierungsmodell stellt nur eine mögliche Variante dar.  

Investitionsbedarf Ärzte GmbH (in EUR)    Betrag     Fälligkeit    Nutzungsdauer
Praxiseinrichtung50.0001. Monat10 Jahre
Bauliche Investitionen in Räumlichkeiten200.0001. Jahr15 Jahre
Medizinische Geräte200.0001. Monat10 Jahre
EDV-Investitionen, Telefonanlage96.0001. Monat4 -10 Jahre
Erstausstattung medizinische Produkte20.0001. Monat1 Jahr
Vorfinanzierung Kosten 3 Monate80.1171. Monatn/a
Vorfinanzierung Arbeitsvergütung
Gesellschafter 3 Monate
30.0831. Monatn/a
Summe676.200  

Investitionsbedarf Ärzte GmbH

 

Plan Gewinn- und Verlustrechnung
(Werte in EUR)
Jahr 1Jahr 2Jahr 3

Erläuterung
Nr.

Einnahmen    
Kassenhonorare1.475.0001.548.7501.626.1881

Grundpauschale Kostenersatz

Lohnnebenkosten Ärzte

24.90925.40725.9152

Grundpauschale Kostenersatz

DGKS, Gesundheitsberufe und
PVE-Manager

412.900421.158429.5813
Summe Einnahmen1.912.8091.995.3152.081.684 
Materialaufwand und Fremdleistungen  -30.000-30.600-31.212 
Arbeitsvergütung Ärztinnen/Ärzte-361.000-368.220-375.5844
Lohnnebenkosten-24.909-25.407-25.9155
Personalaufwand-577.700-577.700-577.7006
sonstiger Aufwand-329.169-315.206-321.3187
Summe Aufwand-1.322.778-1.317.133-1.331.730 
Ergebnis vor Abschreibung u Steuer590.031678.182749.954 
Abschreibung Sachanlagevermögen-63.333-63.333-63.3338
Abschreibung Firmenwert-5.300-5.300-5.3009
Ergebnis vor Steuer521.397609.549681.321 
Körperschaftsteuer 25 %-130.349-152.387-170.330 
Ergebnis nach Steuer391.048457.162510.99110
Kapitalertragsteuer 27,5 %-107.538-125.719-140.522 
Dividende nach KESt283.510331.442370.46811

Tabelle 2 - Plan Gewinn- und Verlustrechnung

 

Erläuterung zur fiktiven Modellrechnung Nr.
1Kassenhonorare: 5 praktische Ärztinnen/Ärzte mit Kassenvertrag erwirtschaften
durchschnittlich EUR 295.000 fallabhängige Honorare; ab dem zweiten Jahr wird
eine Wachstumsrate von 5 % kalkuliert (Patientenzuwachs).
2Grundpauschale: Seitens der Kassen erfolgt ein Kostenersatz für die
Lohnnebenkosten der Ärztinnen/Ärzte
3Grundpauschale: Seitens der Kassen erfolgt ein Kostenersatz für die gesamten
Personalkosten der Gesundheitsberufe (3 „VZÄ“ = Vollzeitäquivalent), diplomierten
Diplomkrankenschwestern (3 VZÄ) und 1 PVE-Managers
4

Die 5 Ärztinnen/Ärzte erhalten jeweils EUR 72.200 als Arbeitsvergütung. Dies
entspricht einer fremdüblichen Vertretungspauschale von ca. EUR 320 pro Tag,
ab dem zweiten Jahr steigen diese Kosten um 2 % p.a.

5Auf die Arbeitsvergütung entfallen Lohnnebenkosten von 6,9 % (DB und KommSt).
6Die Personalkosten der Ordinationsassistenzen (4 VZÄ), der Heilberufe (3 VZÄ),
diplomierten Diplomkrankenschwestern (3 VZÄ), 1 PVE-Managers und
1 Reinigungskraft sind mit einer mindestkollektivvertraglichen Entlohnung zuzüglich
einer 20-prozentigen Überbezahlung kalkuliert; ab dem 2. Jahr steigen die Kosten
um 2 % p.a.
7Im sonstigen Aufwand sind enthalten: Raumkosten inkl. Betriebskosten und USt für
eine Mietfläche von 685 m², kalkuliert mit einem durchschnittlichen Mietzins von
EUR 14,4/m², zuzüglich Miete von Parkplätze für Poolfahrzeuge der PVE, Summe
beträgt EUR 132.000 p.a., 2 % Steigerung p.a., Telefon/Internet/Porti, Marketing von
EUR 15.000 p.a., 2 % Steigerung p.a. Rechts- u. Beratungskosten von EUR 64.000
im ersten Jahr, im zweiten Jahr EUR 45.000, ab dem dritten Jahr + 2 % EDV-Kosten
EUR 24.000 p.a., + 2 % Steigerung p.a. Kosten für 3 KFZ-Poolfahrzeuge für
Hausbesuche, EUR 24.000, + 2 % Steigerung p.a. Restliche andere Kosten beinhalten
Versicherungen, Kammerbeiträge, Finanzierungskosten und betragen EUR 70.169,
Steigerung 2 % p.a.
8Die Investitionen ins Sachanlagevermögen werden im ersten Halbjahr in Betrieb
genommen und über eine Nutzungsdauer zw. 4–15 Jahren abgeschrieben.
9Aus der Einbringung einer Kassenordination geht der Firmenwert eines Arztes auf die
GmbH über, die Abschreibung erfolgt unternehmensrechtlich = steuerlich über eine
Nutzungsdauer (ND) von 15 Jahren. In der Praxis erfolgt unternehmensrechtlich eine
Abschreibung über eine kürzere ND, steuerlich hingegen über eine ND von 15 Jahren.
Aus Vereinfachungsgründen für diese Finanzplanberechnung wurde dieselbe
Nutzungsdauer gewählt.
10Das Jahresergebnis nach Körperschaftsteuer wird voll ausgeschüttet.
11Die Nettodividende an die Gesellschafterinnen/Gesellschaftern gelangt zur Ausschüttung.
Wie die Verteilung erfolgt, ist zwischen den Gesellschafterinnen/Gesellschafter zu
vereinbaren, siehe auch "Grundsätze der Gewinnverteilung".

Erläuterungen zur fiktiven Modellrechnung

 

Plan Bilanz (Werte in EUR)31.12.
Jahr 0
31.12.
Jahr 1
31.12.
Jahr 2
31.12.
Jahr 3
Erläuterung
Nr.
Sachanlagevermögen546.000482.667419.333356.00012
Firmenwert80.00074.70069.40064.1009
Vorräte20.00020.00020.00020.00013
Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen
0159.401166.276173.47414
Liquide Mittel145.200504.675572.012628.08915
Bilanzsumme Aktiva791.2001.241.4421.247.0221.241.663 
Eigenkapital35.000426.048492.162545.99116
Verbindlichkeiten aus
Firmenwert-Übernahme
80.00074.70069.40064.10017
Lieferverbindlichkeiten
inkl. so. Verbindlichkeiten
0121.094122.460125.17218
Finanzierungsverbindlichkeiten  676.200619.600563.000506.40019
Bilanzsumme Passiva791.2001.241.4421.247.0221.241.663 

Plan Bilanz

 

Erläuterung zur fiktiven Modellrechnung Nr.
12  Die Investitionen ins Sachanlagevermögen erfolgen im Jahr 0 vor Beginn der Tätigkeit
der PVE-GmbH, in den folgenden Jahren 1–3 wird eine laufende Abschreibung erfasst.  
13Vorräte betreffen den Materialbedarf an Medikamenten und Verbandsmaterial etc.  
14Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind am Jahresende jeweils für 1 Monat offen.  
15Am Ende des Jahres 0 werden die Kosten für den ersten Monat des Jahres 1 vorfinanziert
und stehen am Bankkonto zur Verfügung. Aus der Gründung der GmbH steht zusätzlich das
eingezahlte Stammkapital zur Verfügung.  
16Eigenkapital wird im Jahr 0 in Höhe von EUR 35.000 Stammkapital der GmbH einbezahlt.
Im Jahr 2 wird der Bilanzgewinn des Jahres 0 voll ausbezahlt (Dividende), im Jahr 3 der
Gewinn des Jahres 2.  
17Die Verbindlichkeit aus dem Firmenwert wird über einen Zeitraum von 15 Jahren getilgt.  
18Die Lieferverbindlichkeiten setzen sich zusammen aus Kosten für 1 Monat (Personal,
Miete, laufende andere Kosten).  
19Die Finanzierung der Anfangsinvestitionen erfolgt über einen 10-jährigen Kredit.  

Erläuterungen zur fiktiven Modellrechnung

 

Aufbauend auf dieser Plan-Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Plan-Bilanz kann die folgende Cash-Flow-Rechnung ausgeführt werden.  

Cash-Flow "CF"0. Jahr1. Jahr2. Jahr3. Jahr
Jahresergebnis nach KÖSt
Aus Plan-Gewinn- und Verlust-Rechnung
0391.048457.162510.991
Abschreibung Sachanlagen063.33363.33363.333
Abschreibung Firmenwert05.3005.3005.300
Aufbau Forderungen0-159.401  -6.876-7.197
Einzahlung Stammkapital35.000   
Verbindlichkeiten Firmenwert80.000-5.300-5.300-5.300
Aufbau Lieferverbindlichkeiten 121.0941.3662.712
Veränderung Finanzierungsverbindlichkeiten  676.200-56.600-56.600-56.600
 791.200359.475458.386513.238
CF aus Finanzierungstätigkeit791.200-61.900-61.900-61.900
CF aus Investitionstätigkeit-626.000     
CF aus operativer Tätigkeit-20.000421.375520.286575.138
 145.200359.475458.386513.238
Dividendenzahlung (inkl. KESt)  -391.048  -457.162  
Cashflow gesamt145.200359.47567.33756.077
liquide Mittel 1.1.0145.200504.675572.012
liquide Mittel 31.12.145.200504.675572.012628.089
Veränderung der liquiden Mittel145.200359.47567.33756.077

Plan-Cash-Flow Rechnung

 

Basierend auf dieser Plan-Cash-Flow-Rechnung können folgende Aussagen getroffen werden:

  • Der Investitionsbedarf der Ärzte-GmbH in Höhe von EUR 676.200 kann über eine Laufzeit von 10 Jahren finanziert werden, die Tilgung der Finanzierung erfolgt aus dem laufenden operativen Ergebnis.
  • Der Bilanzgewinn könnte jährlich an die Gesellschafterinnen/Gesellschafter ausgeschüttet werden (beginnend ab dem Jahr 2 für Gewinnauszahlungen des Jahres 1).

Somit ergibt sich auf Basis der getroffenen Annahmen bei dem konkreten Beispiel ein durchschnittliches jährliches Einkommen (Arbeitsvergütung und Dividende) von rund
146.000 € pro Ärztin/Arzt vor Steuer und knapp 105.000 € nach Steuer. Im Vergleich mit den durchschnittlichen Einkünften aus selbstständiger Arbeit als Einzel-Kassenordination ist das Einkommen nach Steuer pro Ärztin/Arzt in der PVE um knapp 20.000 € höher. Neben den potenziellen finanziellen Vorteilen ergeben sich aufgrund der Organisationsform einer PVE deutliche Vorteile im Bereich der Betriebsorganisation, u.a. durch flexibleren Personaleinsatz, geregelte Vertretungsregelungen. Die organisatorischen Vorteile werden in den Organisations-Aspekten/Organisations- und Rechtsformen einer Primär-Versorgungs-Einheit näher erläutert.