Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Voraussetzungen

Die Voraussetzung zur Aufnahme bzw. Gewährung eines Darlehens ist, dass der Darlehensbetrag samt Nebenkosten und allfälligen Zinsen von der Darlehensnehmerin/vom Darlehensnehmer – der PVE – auch zurückbezahlt werden kann. Jeder Finanzierungsgeber überprüft die Kreditwürdigkeit (auch genannt: „Bonität“). Von der Kreditwürdigkeit hängt ab, ob und zu welchen Bedingungen eine Finanzierung gewährt wird und wie das Finanzierungskonzept aufgestellt ist.

Oftmals werden von den finanzierenden Stellen Sicherheiten (z.B. Hypothek = Verpfändung einer Liegenschaft mit Grundbucheintrag, Ablebensversicherungen, Bürgschaften oder Garantien) verlangt. Welche Sicherheiten tatsächlich vorgelegt werden müssen, hängt vom Finanzierungskonzept ab.

Finanzierungskonzept, Vorbereitung auf Bankgespräch

Das Finanzierungskonzept stellt eine Übersicht dar, welche Investitionen einschließlich etwaiger Nebenkosten wie finanziert werden: Es berücksichtigt die Höhe des zur Verfügung stehenden Eigenkapitals und der zukünftigen Liquiditätszahlungen, die zur Rückzahlung des Darlehens zur Verfügung stehen. Anhand des Finanzierungskonzepts können die Kreditgeber die Finanzierungswürdigkeit der Investitionen beurteilen und eventuelle Finanzierungsrisiken einschätzen.

Das Finanzierungskonzept sollte optimaler Weise an den im Kapitel Business-Plan erläuterten Business-Plan aufsetzen und bereits als Vorbereitung auf das Bankgespräch zumindest mit groben Annahmen erarbeitet werden. Endgültige Anpassungen an z.B. den finalen Finanzierungsbedarf, Konditionen oder Szenarien können laufend eingearbeitet werden.

Jede Bank wird ein individuelles Finanzierungsangebot unterbreiten. Die unterschiedlichen Angebote sind einem genauen Vergleich zu unterziehen, um das attraktivste Angebot auszuwählen. Dabei spielt der „effektive Jahreszins“ eine wichtige Rolle: Der effektive Jahreszins berücksichtigt die Gesamtkosten der Finanzierung als jährlichen Prozentsatz des Gesamtfinanzierungsbetrages.

Darlehensbedingungen und Darlehensarten

Der Finanzierungsbedarf, welcher nicht durch Eigenkapital gedeckt werden kann, muss fremdfinanziert werden, um die Investitionen durchführen zu können. Die in Österreich am häufigsten anzutreffende Finanzierungsform ist ein Bankkredit/Bankdarlehen. Dieser kann wiederum in unterschiedlichen Formen ausgestaltet sein:

  • Investitionskredit – Dient der längerfristigen Finanzierung zur Anschaffung von Anlagegütern, die Laufzeit beträgt üblicherweise 4 – 15 Jahre. Als Sicherheit dienen die angeschafften Investitionsgüter, der Kredit wird meist zweckgebunden zur Verfügung gestellt. Rückzahlung als Ratenkredit ist üblich.
  • Betriebsmittelkredit – Dient der finanziellen Überbrückung von Liquiditätsengpässen im Falle stark schwankender Einnahmen und Ausgaben. Innerhalb des Kreditrahmens kann frei über die Mittel verfügt werden. Die Zinsen werden auf Basis der jeweiligen Ausnützung berechnet. Laufzeit in der Regel < 1 Jahr.
  • Variable/fixe Verzinsung – Während variabel verzinste Kredite meistens an den 3-Monats-Euribor als Indikator gebunden werden, wird beim Fixzinskredit der Zinssatz bei Abschluss des Kreditvertrages festgesetzt und bleibt über die gesamte Laufzeit hinweg unverändert. Gerade in Zeiten mit niedrigem Zinsniveau sind Fixzinskredite besonders beliebt, um den Zins über die Jahre „einzufrieren“. Ein variabler Zinssatz kann aber abhängig von der Laufzeit und der Veränderung des Zinsniveaus vorteilhafter sein.
  • Endfälliger Kredit – Ein endfälliger Kredit zeichnet sich dadurch aus, dass während der gesamten Laufzeit nur Zinszahlungen zu leisten sind, während die Kreditsumme erst am Ende der Laufzeit fällig ist. Die Zinsbelastung für endfällige Kredite ist in der Regel höher als jene von Ratenkrediten, da das Kreditausfallsrisiko für die Bank während der gesamten Laufzeit gleichbleibend hoch ist. Die Rückzahlung der Kreditsumme kann beispielsweise durch einen Tilgungsträger (Lebensversicherung) angespart werden.
  • Tilgungskredit – Dem endfälligen Kredit steht der Tilgungskredit gegenüber, welcher in Form eines Annuitätenkredits oder in Form eines Ratenkredits ausgestaltet sein kann. Beim Annuitätenkredit bleiben die Raten der Höhe nach gleich, der Anteil der Zinsen ist zu Beginn des Kredites höher und sinkt dann im Verhältnis zum rückgezahlten Kapitalanteil. Beim Ratenkredit hingegen wird die Tilgung des Kapitalanteiles vereinbart, wodurch sich der zu verzinsende Kapitalanteil stetig verringert und weshalb die Raten mit der Laufzeit kleiner werden.
  • Hypothekardarlehen – Dem Kreditgeber wird als Sicherheit für den Kredit eine Hypothek angeboten, in der Regel an einer Immobilie. Diese bleibt im Eigentum der Kreditnehmerin/des Kreditnehmers und wird lediglich im Fall von Zahlungsunfähigkeit zwangsversteigert. Sobald der Kredit voll zurückgezahlt wurde, muss die Löschung der Hypothek beantragt werden, welche somit erlischt.
  • Haftungskredit – Kreditsumme wird nicht als Bargeld ausbezahlt, der Kreditgeber verpflichtet sich im Fall von säumigen Forderungen einzuspringen (Bankgarantie).

Finanzielle Risiken inkl. Haftungsinanspruchnahme

Erfolgt die Finanzierung der Investitionen einer PVE in Form von Fremdkapital, so bestehen folgende finanzielle Risiken, die sich aus den jeweiligen Darlehensarten ableiten lassen:

  • Variable/fixe Verzinsung: steigender Zinssatz, sodass entweder die laufenden Raten erhöht werden oder sich die Gesamtlaufzeit verlängert. Das Risiko kann durch die Wahl einer fixen Verzinsung minimiert werden – in der Regel sind jedoch die Zinssätze für die fixe Verzinsung höher.
  • Endfälliger Kredit kombiniert mit einem Tilgungsträger: Während der Laufzeit werden nur Zinsen an die finanzierende Bank bezahlt. Statt der Tilgung des Kredites wird ein Tilgungsträger (das ist ein Finanzprodukt wie beispielsweise ein Wertpapier, ein Fonds oder eine Versicherung) angespart. Ziel ist, dass der Tilgungsträger am Ende der Laufzeit die Höhe des endfälligen Kredites erreicht. Ob und in welchem Umfang der Erlös des Tilgungsträgers zur Kredittilgung ausreicht, hängt von der nicht vorhersehbaren Entwicklung des Tilgungsträgers ab. Das Risiko besteht daher in einer finanziellen Lücke zwischen dem Erlös aus dem Tilgungsträger und der Kredittilgung.
  • Hypothekardarlehen: Im Fall einer Zahlungsunfähigkeit hat der Kreditgeber die Möglichkeit, die Liegenschaft zwangszuversteigern. Das Risiko besteht dahin, dass die betriebsnotwendige Liegenschaft der PVE nicht mehr zur Verfügung steht.
  • Vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeit: Vorteilhaft ist es, wenn der Darlehensvertrag eine vorzeitige Tilgung von Teilbeträgen oder vom Restbetrag gestattet und dafür keine Sonder-Bearbeitungsgebühren (Vorfälligkeitsentschädigung) gefordert werden. Ein finanzielles Risiko besteht daher dann, wenn die vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeit ohne Sonderkosten vertraglich nicht erlaubt ist.
  • Ratenhöhe und Laufzeit: Neben der Berechnung der Ratenhöhe sollten auch die Gesamtkosten der Finanzierung und die Laufzeit beachtet werden: Je geringer die laufenden Zahlungen sind, desto länger ist die Laufzeit und desto höher sind die Zinsbelastungen.
  • Haftungsinanspruchnahme eines Darlehensnehmers: Wird ein Darlehensvertrag von zwei Personen unterschrieben, haftet die 2. Darlehensnehmerin/der 2. Darlehensnehmer, falls der 1. Darlehensnehmer die vereinbarten Raten nicht zahlt.

Das finanzielle Risiko hängt auch vom gewählten Honorierungsmodell ab. Da das finanzielle Risiko jeden jederzeit treffen kann, ist es nie gänzlich auszuschließen. Jedoch ist es möglich, das finanzielle Risiko zumindest einzugrenzen. Des Weiteren sollte immer gut abgewogen werden, wie weit ein besonderes Risiko eingegangen werden sollte und ob die möglichen Folgen für alle Beteiligten der PVE tragbar wären.

Das finanzielle Risiko aus der Inanspruchnahme einer Darlehensfinanzierung kann durch Garantien für Investitionen minimiert werden, diese Garantieübernahme stellt eine Förderung dar und muss vor Inanspruchnahme der Finanzierung mit der fördergebenden Stelle (Länder/Gemeinden etc.) abgeklärt werden.