Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Aufbau und Informationen zur Erstellung eines idealtypischen Business-Plans

Ein Businessplan ist ein schriftliches Konzept, das alle Schritte, die zur Gründung der PVE benötigt werden, zusammenfasst und folgende Zwecke erfüllt:

  • Ein Businessplan dient oftmals zur Vorlage bei Kapitalgebern zur Beschaffung von Finanzierungen.
  • Er wird auch intern für das Gründungsteam ein wichtiges Planungsinstrument beispielsweise hinsichtlich Personaleinsatz und Abschätzung der laufenden Sachkosten sein.
  • Der Businessplan stellt eine Präsentation der Geschäftsidee und ihrer Rahmenbedingungen dar.
    Diese Präsentation in Form des Businessplans kann auch für Förderansuchen genutzt werden.

Der Businessplan ist kurz und präzise zu halten. Er umfasst ca. 10–30 Seiten zuzüglich eventueller Beilagen (in seltenen Fällen umfangreicher). Für die Gründung einer PVE wurde ein Muster-Businessplan erstellt. Dieser steht als Vorlage zum Download auf der PVE-Webseite (www.pve.gv.at) zur Verfügung. Im Businessplan der PVE sollten nachfolgend angeführte Abschnitte behandelt werden. Darunter befinden sich sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Informationen. Grundsätzlich sollten alle Teile ausreichend adressiert werden. Die Verknüpfung der einzelnen Bereiche sollte einen roten Faden im Businessplan erkennen lassen.

Deckblatt

Voraussichtlicher Firmenwortlaut der PVE; Standort, Gründungsmitglieder (Gesellschafterinnen/Gesellschafter), Datum.

Executive Summary

Die Executive Summary fasst das Projekt und seine Rahmenbedingungen zusammen und weckt zugleich das Interesse der Leserin/des Lesers, sich weiter in den Businessplan einzulesen. Die Zusammenfassung sollte in klar verständlicher Sprache und sehr strukturiert verfasst werden. Auch eine Leserin/ein Leser ohne Fachkenntnisse sollte die Geschäftsidee verstehen und dem Plan folgen können. Insbesondere soll hervorgehoben werden, was an der konkreten PVE neu und innovativ ist. Vorrangig folgende Punkte sollte die Zusammenfassung beinhalten:

  • Name des künftigen Unternehmens
  • Beschreibung der Geschäftsidee inkl. geplantem Gründungszeitpunkt
  • Umschreibung der Vorteile, welche das Konzept PVE mit sich bringt
  • Vorstellung des Teams und der damit vorhandenen Kompetenzen, inklusive der Information, ob die Teammitglieder bereits Ärztinnen/Arzt- oder Therapeutinnen-/Therapeutenstellen haben
  • Kurze Beschreibung des Einzugsgebietes, der Zielgruppe und der gesetzten Ziele
  • Geschätzter Kapitalbedarf und Finanzierbarkeit, Darstellung aller geplanten wirtschaftlichen Aspekte
  • Chancen und Risiken

Da es sich um eine Zusammenfassung der danach folgenden Inhalte handelt, empfiehlt es sich, diesen Punkt als letzten zu verfassen.

Unternehmen und Management

Hier wird das Kernteam vorgestellt und allgemeine Informationen zu der PVE dargestellt. Dazu gehören der Firmenwortlaut, die Rechtsform inkl. Eigentumsverhältnisse, der Firmensitz, mögliche Kooperationspartner etc. Ebenso werden die Organisationsstruktur sowie die Aufgaben der einzelnen Mitglieder des Managements erläutert. Künftige Entwicklungen der PVE im Rahmen von kurz- und langfristigen Unternehmenszielen können hier ebenfalls dargestellt werden. Die angedachte Zusammenarbeit mit Gesundheits- und Sozialberufen sowie Art und Ausprägung der Kooperation sind darzustellen.

Die Struktur des Textes kann dabei wie folgt gegliedert werden:

Ausgangssituation & Einzugsgebiet

In diesem Kapitel soll eine kurze Umschreibung der Ausgangssituation im Einzugsgebiet erfolgen. Dabei soll zunächst die derzeit bestehende Problematik in der Region beschrieben und anschließend das Erfolgskonzept der PVE erläutert werden.

Auch Informationen zur Bevölkerung im Einzugsgebiet, dem potenziellen Patientenstamm etc. finden hier Platz.

Produkt bzw. Leistungsbeschreibung inkl. Vorteile von Primärversorgungseinheiten

In diesem Kapitel geht es insbesondere um die Geschäftsidee, welche detailliert und ansprechend umschrieben wird:

  • Welche Vorteile bringt die PVE für die Patientinnen/Patienten? (z.B. bedarfsgerechte Öffnungszeiten von Montag bis Freitag einschließlich der Tagesrandzeiten und eine Öffnungszeit an Samstagen)
  • Was ist neu am Leistungsangebot, wie unterscheidet sich die PVE von einer herkömmlichen Hausärztin/ einem herkömmlichen Hausarzt?
  • Wie gestalten sich die Abläufe in der PVE?

Die Vorteile sollten anhand von konkreten Beispielen erläutert werden.

Marketing und PR-Maßnahmen

In diesem Kapitel werden die gewählten Kommunikationswege und mögliche Mittel für PR-Maßnahmen erläutert. Es ist insbesondere auf die berufsrechtlichen Einschränkungen (Werbeverbot) zu achten.

  • Homepage
  • Logo
  • Schilder
  • Folder

Status Quo/Meilensteine /Zeitplan

Die Meilensteine sollen einen Überblick darüber bieten, in welchem Stadium der Planung sich das Projekt befindet und wie der Zeitplan der Ideenentwicklung bis hin zum operativen Geschäft aussieht. Die einzelnen Schritte sind dabei näher zu erläutern und mit einer Zeitangabe zu versehen, wann diese in Angriff genommen werden und wie lange die Bearbeitung der einzelnen Punkte dauern wird.

  • Wichtige Meilensteine bei der Gründung einer PVE
  • Kosten und Finanzierung/Vorschaurechnung
  • Findung des Kernteams
  • Klärung der rechtlichen Aspekte und Behördenwege
  • Vorbereitung für die operative Tätigkeit

Kosten und Finanzierung/Vorschaurechnung Finanzteil

Der Finanzplan bildet das Herzstück des Businessplans. Je nach gewählter Rechtsform beinhaltet der Finanzplan verschiedene Planungsdokumente. Handelt es sich beispielsweise bei der geplanten PVE um eine Gruppenpraxis-GmbH, besteht die Planungserfolgsrechnung aus einer Plan-Gewinn- und Verlustrechnung, einer Plan-Bilanz, einer Liquiditätsplanung und den Plan-Investitionen. Ist als Rechtsform eine eingetragene Personengesellschaft wie z.B. eine Offene Gesellschaft (OG) gewählt, besteht die Planungserfolgsrechnung aus der Plan-Einnahmen- und Ausgabenrechnung und auch aus den Plan-Investitionen. Unabhängig von der Rechtsform werden in separat zu übermittelnden Planungs-dokumenten nähere Erläuterungen und wesentliche Annahmen getroffen und erklärt.

Folgende Fragen und Punkte werden in dem Finanzplan bearbeitet:

  • Welchen Personalbedarf und welche Personalkosten erwarten Sie in den nächsten Geschäftsjahren?
  • Wie sieht die kurzfristige Investitionsplanung aus?
  • Welche großen Investitionen werden in Zukunft anfallen? Wann und in welchem Umfang werden diese Investitionen auftreten? Wie hoch sind die aus der jeweiligen Investition entstehenden jährlichen Abschreibungen?
  • Wie hoch ist der Kapitalbedarf für die Gründungskosten?
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten im Betrieb?
  • Wie kann der Kapitalbedarf finanziert werden? Wieviel Eigenkapital können Sie einbringen? Wie hoch ist der Fremdkapitalbedarf (Kredite, Leasing)?
  • Gibt es für Ihr Vorhaben Förderungen von Bund, Land, Gemeinde, Europäische Union?
  • Mit welchen Einnahmen können Sie rechnen?

Die Planung sollte mit realistischen Werten erarbeitet werden und konservativ sein, d.h. weder zu optimistisch noch zu pessimistisch sein. Es können auch mehrere Szenarien dargestellt werden. Mögliche Annahmen zur Erstellung eines Finanzplans für eine PVE und ein konkretes Beispiel für eine Gruppenpraxis-GmbH sind in den folgenden beiden Kapiteln näher beschrieben.

Anhang

Im Anhang eines Businessplans können weitere bereits erarbeitete Detailinformationen, wie z.B. Architekten-pläne der PVE, Lebensläufe (CV) oder Details zum Finanzplan, beigelegt werden.

Muster-Businessplan