Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Um Sie in Ihrer individuellen Kalkulation mit einem Berechnungsmodell zu unterstützen, wurden modellhafte – und damit fiktive – Annahmen zu Kosten getroffen. Selbstverständlich können diese Kostenannahmen im konkreten Fall abweichen und sind dementsprechend durch passende Beträge zu ersetzen. Gerade Grundstücks- oder Mietpreise zeigen bundesweit große Unterschiede und unterliegen auch zeitlichen bzw. marktabhängigen Schwankungen.

Liegenschaft & Gebäude

Neuerrichtung Gebäude PVE

Wie im Kapitel Standortwahl und Raumbedarf/Ermittlung des Flächen- und Raumbedarfs für ausgewählte Typen von Primärversorgungseinheiten dargelegt, wird für die Abschätzung der Investitionskosten von der Neuerrichtung eines Gebäudes für eine PVE für zwei beispielhafte Typen ausgegangen. Typ 1 stellt eine große PVE mit 6 Ärztinnen/Ärzten Vollzeitäquivalenten (VZÄ) und 8 VZÄ für Pflege und weitere Gesundheitsberufe dar. Typ 2 ist als kleinere PVE mit 3 Ärztinnen/Ärzten (VZÄ) und 5 VZÄ für Pflege und weitere Gesundheitsberufe konzipiert.

Für die Unterscheidung des Raumprogrammes Typ 1 und Typ 2 für ein PVE-Netzwerk wurden folgende Annahmen getroffen:

 Typ 1Typ 2
Anzahl Ordinationen (2 Räume pro Ärztin/Arzt)   126
Anzahl Räume für Gesundheitsberufe85
Gesamtfläche in m²685 m²   400 m² 

Annahmen Raumprogramm Typ1 und Typ 2

 

Für dieses Raumprogramm wurde der Grundstücksbedarf wie folgt ermittelt:

 Typ 1Typ 2
Grundstücksbedarf in m² (inkl Stellplätzen PKW)  
bei eingeschoßigem Gebäude
2.436 m²  1.550 m²
Grundstücksbedarf in m² (inkl Stellplätzen PKW)
bei zweigeschoßigem Gebäude
1.770 m²1.152 m²

Raumprogramm Annahmen Grundstücksbedarf

 

 Typ 1Typ 2
Grund, durchschnittliche Kosten pro m² EUR 250   610.000390.000
Aufschließung70.00055.000
Bauwerkskosten1.830.000  1.100.000
Einrichtung inkl. IT und MT330.000185.000
Außenanlagen160.000100.000
Honorare, Nebenkosten und 10 % Reserve740.550445.800
Gesamtkosten netto3.740.5502.275.800
20 % USt748.110455.160
Gesamtkosten brutto4.488.6602.730.960

Kosten Neuerrichtung Gebäude PVE[1]

 

Bei diesen Gesamtkosten sind keine Förderungen berücksichtigt.

Mietgebäude PVE an einem Standort

Alternativ zu einer Gebäudeerrichtung kann die Fläche auch gemietet werden. Für die Modellrechnung wurde ein m²-Preis inkl. Betriebskosten und Umsatzsteuer für die Gebäudefläche exkl. Außenanlagen von EUR 14,70 kalkuliert. Dieser Preis muss in Ihrer Kalkulation auf Ihren konkreten Standort adaptiert werden.

Die monatlichen durchschnittlichen Mietkosten inkl. Betriebskosten und Umsatzsteuer betragen daher für PVE-Typ 1 EUR 10.070 und für PVE-Typ 2 EUR 5.880.

Zusätzlich zu den Mietkosten ist zu berücksichtigen, dass jedenfalls Adaptierungsarbeiten notwendig sein werden, um eine

  • optimale Raumstruktur bzw.
  • Infrastruktur (Sanitär-, Elektro- und IT-Installationen) sowie einen
  • behindertengerechten Zutritt

für eine PVE herzustellen. Diese sind abhängig von den Gegebenheiten des Mietobjektes und müssen daher im Einzelfall analysiert und kalkuliert werden.

Mietgebäude PVE-Netzwerk

Für ein PVE-Netzwerk an mehreren Standorten werden bestehende Ärztinnen/Ärzte ihre bereits vorhandene Ordination verwenden. Das bedeutet, dass Gründungskosten eines PVE-Netzwerks aus einer Anschaffung eines Gebäudes nur dann anfallen werden, wenn neue Räumlichkeiten notwendig sein werden – z.B. wegen einer Erweiterung der Zusammenarbeit um weitere Gesundheitsberufe oder Zusatzräumlichkeiten für die Verwaltung der PVE.

Bei gemieteten Räumlichkeiten kann mit durchschnittlichen Mietkosten in Höhe von EUR 14,70 pro m2 kalkuliert werden, standortabhängige Zu- bzw. Abschläge sind jedenfalls zu berücksichtigen.

Rechtsberatungskosten inkl. Anmeldegebühren

Die Rechtsberatungskosten im Zuge der Gründung einer PVE können wie folgt eingeschätzt werden:

 RechtsberatungskostenEUR
PVE-GmbHVertragserrichtungskosten, sowie Gebühren
für Firmenbucheintragung etc.
6.000
VereinAnmeldegebühren etc.3.800
OGGebühren für Firmenbucheintragung,
Notarkosten etc.
5.300
GenossenschaftGebühren für Firmenbucheintragung,
Notarkosten etc.
5.400

Vertragserrichtungskosten

 

Die Kosten können, insbesondere bei der Rechtsberatung und der Vertragserrichtung, im Einzelfall variieren. Die obige Einschätzung berücksichtigt, dass gewisse Vorkenntnisse und Informationen durch die Gründungsinitiative vorhanden sein werden bzw. Vertragsentwürfe bereits verwendet werden können. Die Kosten beinhalten 20 % Umsatzsteuer.

Erfolgt die Gründung der PVE unter Inanspruchnahme von Umgründungen (z.B. Einbringungen von Betrieben oder Mitunternehmeranteilen, Zusammenschluss zu einer OG etc.), so sind zusätzliche Rechtsberatungskosten anzusetzen.

Steuerberatungskosten

Es wird empfohlen, im Gründungsprozess eine Steuerberaterin/einen Steuerberater beizuziehen und daher für diese Leistungen Beratungshonorare zu berücksichtigen. Erfolgt die Gründung durch einen Zusammenschluss mit bereits bestehenden Kassenordinationen, so ist für die Erstellung der Umgründungsbilanzen jedenfalls eine Übergangsgewinnermittlung durchzuführen.

Die neue PVE ist auch bei Behörden anzumelden – wie z.B. dem Finanzamt, Sozialversicherung für die An- und Ummeldung von Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern, Gemeinde etc. Diese Tätigkeiten übernimmt für gewöhnlich die Steuerberaterin/der Steuerberater bzw. die Lohnverrechnerin/der Lohnverrechner der PVE.

Andere Gründungskosten – Vorfinanzierung des laufenden Betriebs

Die Tätigkeit der PVE führt zu Einnahmen, sobald die ersten Kassenhonorare aus dem Primärversorgungsvertrag von den Kassen bezahlt werden. Dies kann bis zu 3–4 Monaten ab Erbringung der Leistungen aus dem Primärversorgungsvertrag dauern. Daher sind sämtliche Kosten, die für den Betrieb der PVE notwendig sind, für diesen Zeitraum vorzufinanzieren. Dazu zählen insbesondere folgende Kosten:

  • Mietkosten inkl. Betriebskosten (wenn nicht Gebäude selbst errichtet wird)
  • Personalkosten (inkl. der Lohnnebenkosten)
  • Investitionen in PVE-Ausstattung (IT, Möbel, medizinische Ausstattung inkl. Medikamenten, Arbeitskleidung und Büromaterial etc.)
  • Kreditkosten
  • Honorare von Werkvertragsmitarbeiterinnen/Werkvertragsmitarbeitern (z.B. für Gesundheitsberufe)
  • Investitionen in KFZ, evtl. Leasing, inkl. Versicherungen und Betriebskosten
  • Marketingaufwand für den Start des PVE-Betriebes

Die Vorfinanzierung dieser Kosten kann im Rahmen eines Kontokorrentrahmens finanziert werden. Sie können auch bei Ihrer zuständigen GKK um eine Anschubfinanzierung ersuchen.

Eigenkapitalausstattung der Primärversorgungseinheit

Abhängig von der gewählten Rechtsform ist die PVE mit folgendem Mindesteigenkapital auszustatten:

Mindesteigenkapital
GmbH: Mindest-Stammkapital EUR 35.000, davon die Hälfte bar einzuzahlen
Verein: keine Eigenkapitalausstattung notwendig
OG: 
  • Zahlung von fixen Kapitalien, im Anteil der Beteiligungsverhältnisse
  • Höhe des fixen Kapitals kann durch die Gründungsmitglieder frei vereinbart
    werden.
 

Mindesteigenkapital

 


[1] Quelle: SOLVE; Arch. Zesch