Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Wird eine Gruppenpraxis-OG aufgelöst und Vermögen an die Gesellschafterinnen/Gesellschafter übertragen, sind die übernommenen Wirtschaftsgüter mit dem gemeinen Wert (Verkehrswert) anzusetzen. Dies gilt auch für den Patientenstock, sofern dieser von den Rechtsnachfolgern übernommen wird. Der Aufgabegewinn ist steuerpflichtig. Wie bei einer Veräußerung können auch bei einer Aufgabe die oben genannten Steuerbegünstigungen (Freibetrag, Verteilung auf drei Jahre, Halbsatzbegünstigung) angewandt werden.

Bei Auflösung und Abwicklung einer PVE-GmbH hat eine Liquidationsbesteuerung zu erfolgen. Der Liquidationsgewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen Abwicklungs-Endvermögen und Abwicklungs-Anfangsvermögen. Das Abwicklungs-Endvermögen ist das zur Verteilung an die Gesellschafterinnen/Gesellschafter kommende Vermögen. Dabei sind nicht veräußerte Wirtschaftsgüter mit dem gemeinen Wert anzusetzen. Die Besteuerung erfolgt auf Ebene der zu liquidierenden GmbH zum Körperschaftsteuersatz von 25 %.

Erhalten die Gesellschafterinnen/Gesellschafter ein Abwicklungsguthaben, welches ihre Anschaffungskosten (an der GmbH) übersteigt, dann stellt dies überdies Einkünfte aus Kapitalvermögen dar, welches mit 27,5 % zu versteuern ist.

Bei Auflösung eines PVE-Netzwerks, welches als Verein oder Genossenschaft organisiert ist, werden idR. keine stillen Reserven realisiert, sodass zwar formal ebenfalls eine Liquidationsbesteuerung zu erfolgen hat, diese aber keine Steuerbelastung auslöst.