Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Der Prozess der Standortwahl beginnt mit dem Vorhaben, eine PVE gründen zu wollen und dem im RSG bzw. Stellenplan festgelegten Bedarf (Planungsvorgaben). Die Entscheidung kann somit einerseits eher wohnortgetrieben („ich will in der Nähe meines Wohnorts eine PVE gründen“) und andererseits eher bedarfsorientiert („ich will dort, wo ein besonderer Bedarf gegeben ist, eine PVE gründen“) sein.

Nach der erfolgreichen Bewerbung für eine ausgeschriebene PVE-Stelle beginnt die tatsächliche Standortwahl. Relevante Anforderungen an den Standort ergeben sich jedenfalls durch die Wahl der Organisationsform (PVZ oder PVN) und aus den Anforderungen an die PVE selbst und dem erforderlichen Leistungsumfang.

Der erforderliche Raumbedarf ist ausschlaggebend für die Größe eines geeigneten Standorts und lässt sich anhand des Leistungsangebots aus dem Versorgungskonzept und der daraus resultierenden Personalausstattung ableiten. Im Anschluss können auf Basis von individuell festgelegten Standortkriterien unterschiedliche infrage kommende Standorte ausgewählt werden. Diese Standortkriterien können gleichzeitig als Bewertungssystem für die Standort-Entscheidung herangezogen werden.

In der folgenden Abbildung ist ein idealtypischer Prozess der Standortwahl schrittweise dargestellt und nachfolgend beschrieben.

    Basis für eine Standortwahl sind die Planungsvorgaben lt. RSG und der dort definierte Bedarf für eine PVE in einer bestimmten Region sowie die Festlegung im Stellenplan. Nach der erfolgreichen Bewerbung für eine ausgeschriebene PVE-Stelle beginnt die tatsächliche Standortbestimmung.

    1. Der Prozess startet mit der Definition des Projektvorhabens und der gleichzeitigen Festlegung, ob die PVE als Zentrum oder Netzwerk geführt wird. 
    2. Anschließend sind Standortkriterien für den Makrostandort der geplanten PVE zu definieren und ggf. zu gewichten. Mögliche Standortkriterien für eine PVE finden Sie in vertiefenden Informationen. Die Auswahl und insbesondere die Gewichtung der Kriterien ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich und individuell festzulegen.
    3. In einem nächsten Schritt sollen die Projektrahmenbedingungen mit dem Versorgungskonzept abgeglichen und vertieft werden. Im Versorgungskonzept sind Ziele, Leistungen und Organisationsstruktur in einer PVE im Hinblick auf die Versorgung der Bevölkerung in einem definierten Einzugsgebiet geregelt. Darauf aufbauend wird auf Basis der ausgewählten und bewerteten Standortkriterien ein Makrostandort im Sinne einer bestimmten Region für ein PVN oder einer konkreten Gemeinde für ein PVZ festgelegt.
    4. Abgeleitet vom Versorgungskonzept und dem daraus resultierenden Personalbedarf für die PVE wird der erforderliche Flächen- und Raumbedarf ermittelt. Aus dem Ergebnis des Flächen- und Raumbedarfs kann eine Mindestgröße von potenziellen Grundstücken oder Liegenschaften abgeleitet werden.
    5. In einem weiteren Schritt müssen auf Basis der vorhandenen Rahmenbedingungen Grundsatzentscheidungen für die Standortsuche getroffen werden. Die Gründerin/der Gründer muss darüber entscheiden, ob die PVE „auf der grünen Wiese“ neu errichtet oder bereits bestehende Räumlichkeiten genutzt und ggf. umgebaut werden sollen.
      Weiters muss die Entscheidung getroffen werden, ob die geplante Liegenschaft gekauft oder gemietet werden soll.Auf Basis der getroffenen Entscheidungen ergeben sich die grundlegenden Auswahl- bzw. Ausschlusskriterien für die möglichen Mikrostandorte innerhalb der Region bzw. Gemeinde.
    6. Um den konkreten Standort der PVE auswählen zu können, werden die Standortkriterien erneut herangezogen und die Dimension und Gewichtung an die Mikrostandort-Auswahl angepasst.
    7. Anschließend können geeignete Standorte ausgewählt und im Rahmen einer Besichtigung auf Basis der Standortkriterien bewertet werden. Die Standortsuche kann durch Herbeiziehen einer Maklerin/eines Maklers oder Kontaktaufnahme mit der jeweiligen Gemeinde unterstützt werden.
    8. Nach den erfolgten Besichtigungen und den Bewertungsergebnissen der Standortkriterien kann die Gründerin/der Gründer die Entscheidung über den tatsächlichen PVE-Standort (Objektstandort) treffen und den Prozess der Standortwahl abschließen.