Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Größe und Leistungsangebot einer räumlich zusammengefassten PVE (PVZ) oder eines PV-Netzwerkes (PVN) sind auf die jeweiligen Bedürfnisse der Versorgungsregion abzustimmen. In diesem Kapitel wird – ausgehend von einer Typologie („große vs. mittlere Einrichtung“) einer PVE – der Flächenbedarf für unterschiedliche Größen von PVE in Form von Richt-Raumprogrammen ermittelt.

Ein Modell, welches eine individuelle Eingabe der Raumanzahl und Größe zulässt, wird in den vertiefenden Informationen zur Verfügung gestellt. Beispielhafte Auszüge aus diesem Modell zu Raum- und Funktionsprogramm, Grundstücksflächenbedarf, Kostenschätzung bei Neubau und Kostenrichtwerte bei Umbau sind nachfolgend zu den jeweiligen Punkten ersichtlich. Durch die Differenzierung „Anzahl Ärzte“ und „Anzahl Ordinationsräume“ wird der Tatsache Rechnung getragen, dass in der Praxis unterschiedliche Raummodelle je Vertragsärztin/Vertragsarzt vorkommen. Häufig sind einer Ärztin/einem Arzt zwei Ordinationsräume zugeordnet, um einen effizienten Arbeitsablauf sicherzustellen (z.B. in einem Raum wird eine Patientin untersucht/behandelt, im zweiten Raum bereitet die Pflege eine Behandlung vor).

Grundsätzlich ist bei der Planung von PVE auf die Möglichkeit des Room-Sharings zu achten. Beispielsweise können für die unterschiedlichen therapeutischen Angebote die jeweiligen Räume gemeinsam genutzt werden, da die Besetzung in der Regel nicht gleichzeitig erfolgt. In diesem Zusammenhang ist in der Planung von Room-Sharing-Konzepten auf ausreichend Lagerflächen zu achten. Die multiprofessionelle Nutzung von Räumen kann durch das Einbauen von Nischen und/oder optischen Lösungen für das „Verstecken“ von im Raum fix montierten Ausstattungen ansprechender gestaltet und somit gefördert werden.

In der Anordnung von Räumlichkeiten ist auf gewisse Abhängigkeiten zu achten. Insbesondere ist hierbei die Ablauforganisation – sowohl aus der Sicht der Patientin/des Patienten als auch aus Sicht des PVE-Teams – bereits während der Planung bestmöglich zu berücksichtigen. Beispielsweise sollen prozessunterstützende kurze Wege (eine funktionale Verbindung zwischen den einzelnen Räumen), mehrere dezentrale Wartebereiche für unterschiedliche Funktionen, eine Unterteilung in Ruhezonen für Therapiebereiche und Verkehrszonen (insb. Gänge) sowie die Sicherstellung der Wahrung von Intimsphäre und Datenschutz (insbesondere bei der Rezeption und Anmeldung) in die Planung einfließen.

Die Ausstattung einer PVE insbesondere im Bereich Medizintechnik bezieht sich auf das jeweilige Leistungsangebot und ist dementsprechend individuell zu planen.

 


[1] Quelle: SOLVE Consulting, Arch. Zesch

Modell-Berechnungen RFP Flächenbedarf und Grundstückskosten