Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Die nachstehende Tabelle gibt einen groben Überblick über die wichtigsten Eigenschaften der einzelnen Rechtsformen, da sowohl GmbH, OG, Verein und Genossenschaft jeweils mit gewissen Vor- und Nachteilen verbunden sind.

GmbH 
Organisations-
form
Die Gruppenpraxen-GmbH kann selbst Rechtsträger eines PVZ und/oder
eines PVN sein.  Die Gruppenpraxen-GmbH kann aber auch Mitglied eines
PVN sein. Rechtsträger ist in diesem Fall eine andere Organisation, etwa
ein Verein oder eine Genossenschaft.
generelle Vor-
und Nachteile

Der Vorteil einer GmbH liegt in der begrenzten Haftung der Gesellschafter,
wodurch das wirtschaftliche Risiko der an einer GmbH beteiligten Ärzte
limitiert wird.

Dafür ist die Gründung einer GmbH im Vergleich zu anderen Rechtsformen
eher aufwendig. 

Eine GmbH ist zudem buchführungs- und rechnungslegungspflichtig,
wodurch im laufenden Betrieb höhere Kosten für Buchhaltung und
Steuerberatung anfallen.   

Durch den Zusammenschluss von Ärztinnen/Ärzten in einer GmbH entsteht
eine relativ enge Verbindung der Gesellschafterinnen/Gesellschafter
untereinander. Daher sind auch entsprechende Regelungen für den Fall einer
Auflösung bzw. Ausscheiden einer Gesellschafterin/eines Gesellschafters zu
vereinbaren.

OG 
Organisations-
form

Die Gruppenpraxen-OG kann selbst Rechtsträger eines PVZ und/oder eines
PVN sein.   

Zum anderen kann eine Gruppenpraxen-OG auch Mitglied eines PVN sein.
Rechtsträger ist in diesem Fall eine andere Organisation, etwa ein Verein
oder eine Genossenschaft.

generelle Vor-
und Nachteile

Bei einer OG haften sämtliche Gesellschafter unbeschränkt mit ihrem
Privatvermögen für Verbindlichkeiten der Gesellschaft.   

Das wirtschaftliche Risiko aufgrund einer Beteiligung an einer OG kann
nicht beschränkt werden. 

Aufgrund dessen ist die Rechtsform der OG für ein PVN, bei dem die
Gesellschafter (Ärzte) ihre Tätigkeit an unterschiedlichen Standorten
ausüben, eher nicht zu empfehlen.   

Demgegenüber liegen die Vorteile einer OG in der einfachen Gründung
und im kostengünstigen Betrieb - eine Ärzte-OG ist weder buchführungs-
noch rechnungslegungspflichtig.   

Zudem erfolgt die Besteuerung bei einer OG - im Gegensatz zu einer
GmbH - auf Ebene der einzelnen  Gesellschafterinnen/Gesellschafter,
wodurch sich eventuell steuerliche Vorteile für die  Gesellschafterinnen/
Gesellschafter bieten können.

Verein 
Organisations-
form

Ein Verein kann nur als Trägerorganisation für den Betrieb eines PVN mit
mehreren Standorten herangezogen werden. 

Die Führung eines PVZ in  der Rechtsform eines Vereins ist somit
ausgeschlossen.

generelle Vor-
und Nachteile

Ein Verein ist die niederschwelligste Form, um sich für den Betrieb eines
PVN zusammenzuschließen.   

Ein Verein kann einfach, schnell und relativ kostengünstig gegründet und
auch betrieben werden.   

Bei einem Verein können neben Ärzten auch Angehörige anderer
Gesundheits- und Sozialberufe teilnehmen.   

Der Verein dient dabei als Trägerorganisation des Netzwerks, dessen
Aufgabe in der Zurverfügungstellung der organisatorischen Grundlagen
für die Tätigkeit seiner Mitglieder sowie in der Koordinierung der Tätigkeit
der Mitglieder liegt.   

Diese bleiben sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich selbstständig und üben
ihren Beruf im Rahmen des PVN weiterhin auch selbstständig aus.   

Aufgrund dessen eignet sich ein Verein besonders für die Gründung eines
PVN, bei dem die daran teilnehmenden Ärztinnen/Ärzte bereits über eigene
Ordinationen, welche auch weiterhin von ihnen betrieben werden sollen,
verfügen.

Genossenschaft 
Organisations-
form

Eine Genossenschaft kann nur als Trägerorganisation für den Betrieb eines
PVN herangezogen werden. 

Die Führung eines PVZ. in der Rechtsform einer Genossenschaft ist somit
ausgeschlossen.

generelle Vor-
und Nachteile

Ein PVN in der Rechtsform einer Genossenschaft ist vergleichbar wie ein
Verein organisiert und strukturiert. 

Eine Genossenschaft weist jedoch eine höhere Organisationsdichte auf und
ist damit professioneller auf die Förderung der wirtschaftlichen Tätigkeit
ihrer Mitglieder ausgerichtet. 

Zudem muss eine Genossenschaft einem anerkannten Revisionsverband
angehören, von dem sie regelmäßig im Zuge einer Revision geprüft wird. 

Bei Überschreiten der Umsatzschwellen von mehr als EUR 700.000 in zwei
aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren bzw. von einmalig mehr als
EUR 1.000.000 ist die Genossenschaft außerdem verpflichtet, Bücher zu führen
sowie einen Jahresabschluss und eine Bilanz zu erstellen.  Die mit einer
Genossenschaft verbundenen Strukturkosten fallen damit entsprechend höher
aus. 

Aus diesem Grund kommt eine Genossenschaft als PVN wohl nur bei großen
Netzwerken infrage.