Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Zur Ausübung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege ist nur berechtigt, wer gemäß § 27 Abs 1 GuKG nachstehende Erfordernisse erfüllt:

  • Eigenberechtigung
  • Gesundheitliche Eignung und Vertrauenswürdigkeit
  • Qualifikationsnachweis
  • ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache
  • Eintragung im Gesundheitsberuferegister

Zu den Gesundheits- und Krankenpflegeberufen zählen

  • der gehobene Dienst für Gesundheits und Krankenpflege (§ 11 ff GuKG)
  • die Pflegefachassistenz (§ 83a GuKG)
  • die Pflegeassistenz (§ 83 GuKG)

Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege tragen die Verantwortung für die (un-)mittelbare Pflege von Menschen in allen Altersstufen in mobilen, ambulanten und (teil-)stationären Versorgungsformen. Ihr Kompetenzbereich umfasst pflegerische Tätigkeiten, die Weiterverordnung von Medizinprodukten sowie Kompetenzen bei Notfällen und im multiprofessionellen Versorgungsteam. Darüber hinaus sind sie befugt, nach entsprechender ärztlicher Anordnung, auch medizinisch-diagnostische und therapeutische Maßnahmen eigenverantwortlich durchzuführen. Weiters können sie Spezialisierungen, beispielsweise in der Hospiz- und Palliativversorgung, in der Kinder- und Jugendpflege oder im Wundmanagement und in der Stomaversorgung, erwerben.

Pflegeassistenzberufe unterstützen Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege bei der Durchführung ihrer Tätigkeiten. Ihnen werden von Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege Aufgaben der Pflege sowie sowohl von diesen als auch von Ärztinnen/Ärzten Maßnahmen der medizinischen Diagnostik und Therapie übertragen. Während die Pflegeassistenz dabei vorwiegend mitwirkt, führt die Pflegefachassistenz einige der übertragenen Tätigkeiten eigenverantwortlich oder unter Anleitung und Unterweisung durch.

Angehörige der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe übernehmen eine überdurchschnittliche Verantwortung für den Menschen und haben ihren Beruf daher ohne Unterschied der Person gewissenhaft auszuüben. Wohl und Gesundheit der Patientinnen/Patienten sind unter Einhaltung der hierfür geltenden Vorschriften und nach Maßgabe der fachlichen Erkenntnisse und Erfahrungen zu wahren.

Darüber hinaus sind sie freilich auch zur Fortbildung verpflichtet, um sich auf dem aktuellsten Stand der Kenntnisse zu halten.

Ähnlich wie Ärztinnen/Ärzte sind freilich auch Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege zur Pflegedokumentation, zur Verschwiegenheit sowie in bestimmten Fällen zur Anzeige, Meldung oder Auskunft verpflichtet.

Anzeige bzw. Meldung von Verhalten trotz bestehender Verschwiegenheitsverpflichtung

Ergibt sich für Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege in Ausübung ihres Berufs der Verdacht, dass durch eine gerichtlich strafbare Handlung der Tod oder die schwere Körperverletzung eines Menschen herbeigeführt wurde, sind sie verpflichtet, unverzüglich Anzeige zu erstatten. Würde die Anzeige jedoch eine Tätigkeit der Gesundheits- und Krankenpflege beeinträchtigen, deren Wirksamkeit eines persönlichen Vertrauensverhältnisses bedarf, besteht die Anzeigepflicht nicht. In solch einem Fall muss die Angehörige/der Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege die betroffene Person jedoch über bestehende Opferschutzeinrichtungen informieren.

Eine Meldung haben Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege dann vorzunehmen, wenn sich in Ausübung ihres Berufes der Verdacht ergibt, dass durch eine gerichtlich strafbare Handlung der Tod oder die Körperverletzung eines Menschen herbeigeführt wurde oder eine Minderjährige/ein Minderjähriger oder eine sonstige Person, die ihre Interessen nicht selbst wahrzunehmen vermag, misshandelt, gequält, vernachlässigt oder sexuell missbraucht wurde, sofern das Interesse an der Mitteilung das Geheimhaltungsinteresse überwiegt.

Auskünfte über die von ihnen gesetzten gesundheits- und krankenpflegerischen Maßnahmen haben Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege den betroffenen Patientinnen/Patienten, deren gesetzlichen Vertreterinnen/gesetzlichen Vertretern oder Personen zu erteilen, die von den betroffenen Patientinnen/Patienten als auskunftsberechtigt benannt wurden.