Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Mit dem Primärversorgungsgesetz (PrimVG), das die rechtliche Grundlage für die neuen Primärversorgungseinheiten (PVE) darstellt, wurden einige wesentliche Neuerungen eingeführt. Eine dieser Neuerungen ist das Versorgungskonzept, das eine der Grundlagen für die Arbeit in einer Primärversorgungseinheit darstellt.

Was ist ein Versorgungskonzept?

Das Versorgungskonzept stellt die Grundlage für die verbindliche und strukturierte Zusammenarbeit der an einer Primärversorgungseinheit teilnehmenden Personen dar. Dabei sollen Ziele, Leistungen, Organisationsstruktur und Aufgabenverteilung in einer Primärversorgungseinheit in Hinblick auf die Versorgung der Bevölkerung im Einzugsgebiet geregelt werden.

Welche Inhalte müssen in einem Versorgungskonzept abgedeckt werden?

In einem Versorgungskonzept müssen einerseits hinsichtlich der Leistungen

  • die Versorgungsziele des Primärversorgungsteams,
  • die Beschreibung des verbindlich zu erbringenden Leistungsspektrums sowie
  • Regelungen zur Sicherstellung der Kontinuität der Betreuung chronisch und multimorbid Erkrankter

enthalten sein.

Andererseits sind in Hinblick auf die Organisation der PVE Regelungen

  • zur Aufbau- und Ablauforganisation im Primärversorgungsteam und in der Zusammenarbeit mit anderen Versorgungsbereichen sowie
  • zur Arbeits- und Aufgabenverteilung und
  • zur Zusammenarbeit im Primärversorgungsteam,
  • zur aufeinander abgestimmten zeitlichen Verfügbarkeit (Anwesenheit, Rufbereitschaft, Vertretungsregeln) und örtlichen Erreichbarkeit, insbesondere bei mehreren Standorten,
  • zum gemeinsamen Auftritt nach außen

zu schaffen.

Zu welchem Zweck ist ein Versorgungskonzept zu erstellen?

Die Erstellung eines Versorgungskonzepts ist eine Voraussetzung für die Gründung einer Primärversorgungseinheit und soll das zukünftige Primärversorgungsteam dabei unterstützen, sich optimal auf die Anforderungen am geplanten Standort und auf die anstehenden Aufgaben im Primärversorgungsbereich vorzubereiten. Das Versorgungskonzept hilft Ihnen somit dabei, sich vor der Gründung und im Gründungsprozess mit der Organisation und den zu erbringenden Leistungen einer Primärversorgungseinheit auseinanderzusetzen und die regionalen Anforderungen am geplanten Standort bestmöglich zu berücksichtigen.

Aus diesem Grund stellen wir Ihnen folgende Dokumente zur Verfügung:

  • ein Musterversorgungskonzept, das die wesentlichen Inhalte der Bereiche Leistungen und Organisation umfasst, sowie ein Manual, das Sie bei der Erstellung des Versorgungskonzepts unterstützt
  • regionale Versorgungsprofile, die Ihnen ein grundlegendes Bild von dem Einzugsgebiet Ihrer geplanten Primärversorgungseinheit vermitteln, indem sie die dafür wesentlichen Daten (insbesondere demografische, sozioökonomische und epidemiologische Merkmale der Bevölkerung sowie bestehende Anbieterinnen/Anbieter im Gesundheits- und Sozialbereich) für die jeweiligen Einzugsgebiete in praxisorientierter Weise darstellen

Es empfiehlt sich somit, ausreichend Zeit für die Entwicklung und Erstellung eines Versorgungskonzepts einzuplanen und dabei Unterstützung durch Expertinnen/Experten in Anspruch zu nehmen.

Darüber hinaus ist das Versorgungskonzept auch Auswahlkriterium bei der Invertragnahme.

Wie ist bei nachträglichen Änderungen des Versorgungskonzepts vorzugehen?

Kommt es nach positivem Ausgang eines Auswahlverfahrens und Abschluss eines Primärversorgungsvertrages zu Änderungen, ist folgendermaßen vorzugehen:

Grundsätzlich sind gemäß § 6 Abs. 2 PrimVG wesentliche Änderungen, die nicht ohnedies vertraglich zu vereinbaren sind,  den jeweils zuständigen Krankenversicherungsträgern anzuzeigen.