Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Der Grundgedanke von QM und RM ist eine für alle im Gesundheitswesen tätigen Menschen selbstverständliche und grundeigene Zielsetzung, nämlich die optimale und sichere Behandlung und Betreuung ihrer Patientinnen und Patienten. Die strukturierte Auseinandersetzung mit den Themen Qualität und Umgang mit Risiken im Gesundheitswesen hat über die letzten Jahrzehnte stetig zugenommen. Auch in Österreich beschäftigen sich alle Systempartner (Gesundheitsministerium, Sozialversicherung, Länder, Ärztekammer) mit diesen Inhalten und haben für PVE nutzbare Grundlagen geschaffen. Ziel ist es, die Patientensicherheit und das Outcome von Behandlungen zu verbessern – auch unter Einbezug internationaler Erkenntnisse und „best-practice“-Beispielen.

In Österreich finden sich Rahmen- und Zielvorgaben zur Qualitätsarbeit im Gesundheitswesen im Gesundheitsqualitätsgesetz[1], in der Qualitätsstrategie für das österreichische Gesundheitswesen[2], in der sogenannten 15a-Vereinbarung[3][4], im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG)[5] sowie in der Verordnung der Österreichischen Ärztekammer zur Qualitätssicherung der ärztlichen Versorgung durch niedergelassene Ärzte und Ärztinnen sowie Gruppenpraxen[6]. Darüber hinaus wurden Mindestanforderungen an Qualitätsmanagementsysteme erarbeitet[7].

In sämtlichen Rechtsgrundlagen wie auch in allen gängigen Qualitätsmanagementsystemen werden im Wesentlichen folgende drei Qualitätsaspekte betrachtet:

  • Strukturqualität (z.B. qualifiziertes Personal, Geräteausstattung etc.)
  • Prozessqualität (z.B. leitlinienkonforme Behandlungsprozesse)
  • Ergebnisqualität (z.B. nosokomiale Infektionen, Heilungsraten, Komplikationsraten, Ergebnisse von Patientinnen-Befragungen etc.)

Der Leitgedanke bei allen Qualitätsmanagementsystemen ist der sogenannte PDCA-Zyklus. Dieser steht für den Kreislauf von vier Aktivitäten: Plan (Planen), Do (Durchführen), Check (Überprüfen) und Act (Reagieren). Dieses Vorgehen kann Sie bei allen Verbesserungsvorhaben in Ihrer PVE unterstützen.

Ein weiterer grundlegender Ansatz im Qualitäts- und Risikomanagement ist, – bei Auftreten unerwünschter Ereignisse oder Behandlungsergebnisse – eine systemorientierte Betrachtung der Ursachen an Stelle einer individuellen Fehlersuche durchzuführen. Die Auseinandersetzung mit der Frage „Was (z.B. Abläufe, Strukturen, Kommunikation) hat dazu beigetragen, dass wir nicht das erwünschte Ergebnis erreicht haben?“ schafft deutlich nachhaltigere Lösungen als die Suche nach dem „Schuldigen“ in Person.

Eine wesentliche Stütze im Aufbau eines internen Qualitäts- und Risikomanagements in einer PVE sind die identifizierten Abläufe wie beim Prozessmanagement beschrieben. Verbunden mit der Erhebung und Analyse von Kennzahlen (siehe Beispiele bei den drei Qualitätsaspekten) sowie Elementen aus dem Risikomanagement, kann sehr gut ein PVE-eigenes funktionales System der Qualitätssicherung und -verbesserung aufgebaut werden.

Das klinische Risikomanagement ist ein wichtiger Teil des Qualitätsmanagements. Der Fokus liegt auf medizinisch-pflegerisch-therapeutischen Risiken. Im Risikomanagementprozess werden Risiken im Rahmen der Patientenversorgung identifiziert, analysiert, bewertet und bewältigt, sprich bestenfalls durch Präventionsmaßnahmen vermieden oder zumindest minimiert.

Periodische Selbstbewertungen, d.h. die PVE-Leitung und/oder beauftragte Teammitglieder überprüfen die eigene Einrichtung zu vorab festgelegten Qualitäts- und Risiko-Themen, helfen dabei, das angestrebte Qualitätsniveau zu halten. Möchte man – auf rein freiwilliger Basis – seinen Qualitätsanspruch und die Erfüllung von Mindestanforderungen auch „nach außen“ (z.B. Bevölkerung und Entscheidungsträger im Einzugsgebiet der PVE) darlegen, bietet sich eine Fremdevaluierung durch Experten aus dem Themenbereich an.


[1]https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003883

[2]https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/8/5/2/CH3957/CMS1318493541783/qualitaetsstrategie_fuer_das_oesterreichische_gesundheitswesen_version_2.0.pdf

[3] Art 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens: http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2013_I_199/BGBLA_2013_I_199.html

[4] Zielsteuerung Gesundheit: http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2017_I_97/BGBLA_2017_I_97.html

[5]https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/1/0/1/CH3967/CMS1136983382893/oesg_2017_-_textband,_stand_29.06.2018.pdf

[6]http://www.aerztekammer.at/verordnungen/-/asset_publisher/Iu8q/content/qualitatssicherungsverordnung/10431

[7]https://www.sozialministerium.at/site/Gesundheit/Gesundheitssystem/Gesundheitssystem_Qualitaetssicherung/PatientInnensicherheit/Mindestanforderungen_an_Qualitaetsmanagementsysteme