Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Für die vereinfachte Darstellung wird für den Typ „PVZ“ angenommen, dass eine gemeinsame IT-Infrastruktur genutzt wird. Diese kann in unterschiedlichen Ausprägungen die beteiligten Gesundheitsdienstanbieter (GDA) voneinander separieren:

Mandantenfähiges Ordinationssystem

Mandantenfähig bedeutet, dass alle teilnehmenden GDA zwar im selben EDV-System arbeiten, aber keinen gegenseitigen Einblick auf ihre Daten und Einstellungen haben. Es ist hier so, als würden alle Mandanten auf völlig getrennten Computersystemen arbeiten – allerdings mit dem Vorteil einer zentralen EDV-Wartung. Damit ergibt sich eine hohe Bandbreite sowohl von Separation als auch diverse Möglichkeiten der Integration:

  • Komplett separierte Systeme wie im PVN-Modell
  • Einzelne Komponenten des Systems werden gemeinsam genutzt. Hier bietet sich an:
    • Kalender und Verbuchungen von Ressourcen (Räume, Gerätschaften, PVE-Team-Mitglieder) und Patientinnen/Patienten
    • gemeinsame Personalverwaltung
    • Beschaffung und Inventarisierung
  • Nutzung eines gemeinsamen Patientenakts. Damit verbleibt der Dekurs in Hoheit der einzelnen Mandantin/des einzelnen Mandanten, der Befund ist aber von allen GDA der PVE direkt abrufbar. Dieses Befundarchiv entspricht auch dem lokalen ELGA-Speicher (Local Repository).

In diesem Modell erreicht man vermutlich die höchste Flexibilität aller hier vorgestellten Modelle. Allerdings ist auch die Komplexität am höchsten hinsichtlich technischer und IT-organisationsseitiger Aufwände.

e-Card-Transaktionen zur Abrechnung und Konsultationsverwaltung können sowohl auf Basis einer Einzelpraxis-Vereinbarung implementiert werden als auch in einem „Krankenhaus-Ambulanz“-ähnlichen System.

Gemeinsame Ordinationssoftware

Alle teilnehmenden GDA arbeiten in einem gemeinsamen EDV-System. Die unterschiedlichen GDA werden in der Software wie Ambulanzen oder Abteilungen einer Organisation behandelt. Sofern es die Ordinationssoftware ermöglicht, können die Abteilungen auch als eigene Kostenstellen (Cost-Center) definiert werden. Das erlaubt dann eine Aufsplittung in der Abrechnung für die einzelnen GDA in diesem gemeinsamen System.

Dieses Modell ist dann sinnvoll, wenn ein zentralistischer Ansatz für die Patientenadministration gewählt wurde und die GDA sehr eng zusammenarbeiten. Wählt man den Ansatz einer gemeinsamen Ordinationssoftware, sollten alle Kataloge, Leistungen, der Umgang mit Kalendern und Ressourcen sowie die Prozesse untereinander abgestimmt behandelt werden. Das bedeutet, dass über alle GDA gesehen ein gemeinsamer organisatorischer Konsens gefunden werden muss.

Aus Patientensicht ist die Nutzung einer gemeinsamen Ordinationssoftware am komfortabelsten, da es für die Patientin/den Patienten PVE-weit nur eine administrative Anmeldung (“Single Point of Administration”) gibt und der Patientenakt ohne gesonderte Überleitung bei jedem GDA zu jeder Zeit zur Verfügung steht.

Auch aus Sicherheits- und Verfügbarkeitsüberlegung ist der Ansatz einer gemeinsamen Ordinationssoftware ideal, da Berechtigungen als Rollen und Profile in einem zentralen EDV-System abgewickelt werden können.