Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Für den Typ „PVN“ wird angenommen, dass jede Ordination/Praxis[1] ihre eigene IT-Infrastruktur betreibt. Es kommen herkömmliche, heute übliche Ordinationssoftwarelösungen zum Einsatz.

Es gibt grundsätzlich keinen gemeinsamen Patientenakt. Über herkömmliche Methoden (ELGA oder gerichtete Kommunikation[2]) werden typischerweise nur Befunde, Medikation und etwaige Bilddaten geteilt. Eine gemeinsame Arbeit (über die Einzelordinationsgrenzen hinaus) am Dekurs bzw. eine direkte Übergabe der relevanten Informationen in elektronischer Form während der Behandlung ist nicht oder nur mit erhöhtem organisatorischen Aufwand möglich. Diese Informationsschnittstellen weisen auch eine erhöhte Fehleranfälligkeit auf.

Bestehende Kalender und Terminplanungen können nicht ohne weiteres geteilt oder gemeinsam verwendet werden, es sei denn, man einigt sich für bestimmte elektronische Dienste auf eine gemeinsame Infrastruktur. Hier ist darauf zu achten, dass derart genutzte Kalender z.B. medizinische Daten enthalten können und daher eine höhere Sicherheit und Sorgfaltspflicht besteht (siehe "Datenschutz").

Gemeinsames Personal im PVN, welches in mehreren Praxen im EDV-System arbeitet, muss auch mehrfach angelegt werden. Ist eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter in Ordination A im System eingebucht, so ist ein Zugriff auf Daten aus Ordination B nicht ohne weiteres möglich, was auch erwünscht sein kann.

Die PVN-Ausprägung ermöglicht eine große Autonomie der einzelnen Ordinationen und garantiert im Allgemeinen klar definierte Übergangspunkte zwischen den beteiligten Praxen. Das betrifft sowohl die IT-Aspekte als auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte. Es ist möglich, stufenweise eine PVE-weite gemeinsame Infrastrukturen zu implementieren und beispielsweise mit einem gemeinsamen Planungskalender für Patientinnen/Patienten und für das PVE-Team zu beginnen. Auch eine gemeinsame abgestimmte Berechtigungs- und Identitätsverwaltung der Mitglieder des PVE-Teams kann organisatorisch große Vorteile ergeben.


[1] Die Begriffe Ordination und Praxis kommen gleichbedeutend zum Einsatz.

[2] Datenaustausch zwischen zwei definierten Beteiligten (Punkt zu Punkt) wie z.B. Entlassungsschreiben („Arztbrief“) zwischen Krankenhaus und Ordination; von ungerichteter Kommunikation spricht man dann, wenn der Empfänger bei Datenablage noch nicht festgelegt ist, wie z.B. CT-Befunde, die im Rahmen einer Folgebehandlung/Verlaufskontrolle zu einem späteren Zeitpunkt von weiteren Behandlern abgerufen und genutzt werden.