Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

Das Kapitel „Organisation“ informiert Sie über organisatorische Varianten und Kernfragen einer PVE. Sie finden im Wesentlichen Antworten auf folgende Fragestellungen:

Welche Organisationsform soll ich wählen?

Grundlegend stehen Sie vor der Entscheidung, ob Ihre PVE in Form eines Primärversorgungszentrums (PVZ) oder eines Primärversorgungsnetzwerkes (PVN) organisiert werden soll.

Während bei einem PVZ die jeweiligen Allgemeinmedizinerinnen/Allgemeinmediziner unter einem Dach bzw. an einem Standort zusammenarbeiten, führen beim PVN die jeweiligen Ärztinnen/Ärzte eigene Ordinationen an verschiedenen Standorten.

Im PVZ erfolgt die Zusammenarbeit in Form einer Gruppenpraxis nach dem Ärztegesetz. Eine weitere Möglichkeit ist die Gründung eines selbstständigen Ambulatoriums. Im PVN können die Einzelordinationen über eine Trägerorganisation miteinander verbunden (z.B. als Verein) oder unterschiedliche Betriebsstätten einer Gesellschaft (z.B. GmbH) sein.

Die Festlegung der Organisationsform ist Grundlage für die weitere Entscheidung bezüglich der Rechtsform einer PVE, welche im Kapitel Recht ausgeführt wird.

Was ist die organisatorische Basis für eine Primär-Versorgungs-Einheit?

Im Primärversorgungsgesetz ist festgelegt, dass für jede PVE ein individuelles Versorgungskonzept zu entwickeln ist. In diesem Konzept sind insbesondere die Versorgungsziele, das Leistungsspektrum und die Aufbau- und Ablauforganisation darzustellen. Das Versorgungskonzept gilt als Grundlage für die verbindliche und strukturierte Zusammenarbeit aller Teammitglieder der PVE und ist Grundlage für die Bewerbung für einen Primärversorgungsvertrag bei den zuständigen Trägern. Die Gründung einer PVE kann nur mit der regionalen GKK erfolgen.

Wer arbeitet in einer Primär-Versorgungs-Einheit?

Jede PVE besteht aus einem Kernteam, dem zumindest Ärztinnen/Ärzte für Allgemeinmedizin, einem oder mehreren Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege und Ordinationsassistenzen angehören. Darüber hinaus sind orts- und bedarfsabhängig weitere Angehörige von Gesundheits- und Sozialberufe einzubinden.

Entscheidend für die Art und Anzahl der vertretenen Berufsgruppen und der erforderlichen Qualifikationen sind die jeweiligen regionalen Erfordernisse bzw. der erforderliche Leistungsumfang. Darauf aufbauend werden sowohl nötige Qualifikationen und Kompetenzen als auch Mengengerüste für Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter ermittelt. Mit dieser Grundlage kann die Personalsuche und -auswahl gestartet werden.

Das Handbuch unterstützt Sie bei der Umsetzung des Personalmanagements mit Checklisten, Mustervorlagen und Leitfäden. Das Zusammenwirken der einzelnen Teammitglieder wird in der Aufbauorganisation geregelt, deren Struktur in der Regel in einem Organigramm abgebildet ist.

Welche Kooperationen mit externen Partnern bieten sich an?

Primärversorgungsteams stehen in häufigem Kontakt mit Institutionen und Partnern, wie mobile Pflegedienste, sozialmedizinische und psychosoziale Dienste, Apotheken, Fachärztinnen/Fachärzte etc. Damit nimmt die PVE eine wichtige Lotsenfunktion für die Patientinnen/Patienten wahr und optimiert den Versorgungsprozess. Ablaufbeschreibungen (Prozesse) unterstützen und regeln diese Kooperationen, sodass alle Beteiligten und damit auch die Patientinnen und Patienten davon profitieren.

Wie kann ich meine Leistungen im Versorgungskonzept darstellen?

Um das Ziel der reibungslosen Aufgabenerledigung zwischen allen beteiligten Personen einer PVE erreichen zu können, hilft die Erstellung von Ablauf- bzw. Prozessbeschreibungen. Dazu müssen zunächst die Prozesse in einer PVE identifiziert werden. Anschließend werden die einzelnen Aufgaben erhoben und dokumentiert. Somit können Sie sehr gut darstellen, wie in Ihrer PVE Aufgaben unter zeitlichen und räumlichen Aspekten (Ablauforganisation) durchgeführt werden.

Dieses Handbuch bietet Ihnen Beispiele für Stellenbeschreibungen und Prozesslandkarten und unterstützt Sie in der Prozessgestaltung und Prozessoptimierung mit konkreten Lösungsansätzen, Kriterien und Prüffragen.

  Hier geht es zum Hauptteil Organisations-Aspekte