Handbuch für Primär-Versorgungs-Einheiten

In Österreich – wie auch in vielen anderen europäischen Ländern – stellt die Stärkung der Primärversorgung eines der wesentlichen gesundheitspolitischen Vorhaben für die nachhaltige Ausrichtung von Gesundheitssystemen dar.

Mit Beschlussfassung des Primärversorgungsgesetzes im Jahr 2017 wurde die gesetzliche Grundlage zur Stärkung der Primärversorgung in Österreich gelegt. Der Gesetzgeber hat in diesem Gesetz dem wichtigen öffentlichen Interesse bei der Errichtung von Primärversorgungseinheiten (PVE) sehr klar Ausdruck verliehen.

Primärversorgung (Primary Health Care) wird durch den Gesetzgeber als die allgemeine und direkt zugängliche erste Kontaktstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Problemen im Sinne einer umfassenden Grundversorgung definiert. Sie soll den Versorgungsprozess koordinieren und gewährleistet ganzheitliche und kontinuierliche Betreuung. Sie berücksichtigt auch gesellschaftliche Bedingungen.[1].

Im Zentrum steht dabei das Prinzip der strukturierten Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten und anderen Gesundheits- und Sozialberufen. Damit soll eine optimale Prozess- und Ergebnisqualität, insbesondere in der medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen, chronisch Kranken und der älteren Bevölkerung, erreicht werden. Aus der Sicht der Patientinnen und Patienten geht es um eine vertraglich abgesicherte und somit verbesserte Koordination und Kooperation zwischen den Gesundheitsberufen.

Bei der Gründung von Primärversorgungseinheiten ist es wichtig, unterschiedliche Betrachtungsperspektiven zu berücksichtigen. Gleichzeitig haben die involvierten Personen unterschiedliche Vorerfahrungen – von erfahrenen „Hausärzten“ bis hin zu Neueinsteigern in der niedergelassenen Versorgung.

Daher wird die Leserin/der Leser im Handbuch auf ihrem/seinem persönlichen Weg zur PVE-Gründung begleitet und kann sich individuell den einzelnen Kapiteln widmen. Diese gliedern sich in folgende Aspekte: wirtschaftliche Betrachtung, Organisation, Recht, IT-Infrastruktur und Raum- und Funktionsplanung.

Als Überblick lassen sich die wichtigsten Schritte im Rahmen des Gründungsprozesses einer PVE wie folgt zusammenfassen:

Nachdem das Interesse am Betreiben einer PVE geweckt wurde und ein entsprechender Versorgungsbedarf vorliegt, gilt es wichtige Entscheidungen zu treffen.

Vor der Gründung sind vor allem organisatorische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte zu beachten. Das geplante Leistungsangebot muss in einem Versorgungskonzept beschrieben werden, dieses Konzept stellt gleichzeitig die Grundlage für die Entwicklung der Betriebsorganisation dar. Mittels eines Businessplans erfolgt die Abklärung des erforderlichen Kapital-/ Finanzierungbedarfs. Weitere wichtige Festlegungen betreffen die Rechtsform, die Organisationsform und den Standort.

Ist der Entschluss zur Gründung einer PVE gefällt, sollte frühzeitig die zuständige Gebietskrankenkasse kontaktiert werden, um das weitere Vorgehen im Bewerbungsprozess und etwaige offene Fragen zu klären.

Das vorliegende Handbuch führt in seiner ersten Version viele Grundlagenarbeiten und geschaffene Regulative der letzten Zeit zusammen und stellt den momentanen Stand des Wissens dar. Erkenntnisse in den hier dargestellten Aspekten aus der Gründung und dem Betrieb neuer PVE, wie auch Ergebnisse aus derzeit noch laufenden Verhandlungen zum Gesamtvertrag werden in Überarbeitungen und Folgeauflagen berücksichtigt und den Gründerinnen und Gründern von PVE zur Verfügung gestellt werden. 

Wichtig ist festzuhalten, dass die Inhalte des Handbuchs die Einholung rechtlicher, betriebswirtschaftlicher, steuerlicher sowie EDV-Beratung für die konkrete individuelle Planung und Umsetzung einer PVE nicht ersetzen.


[1] Bundesgesetz zur partnerschaftlichen Zielsteuerung-Gesundheit (Gesundheits-Zielsteuerungsgesetz – G-ZG)